Gespielt: Impostor Factory

Gespielt: Impostor Factory

- Matt

2017 habe ich hier über Finding Paradise geschrieben, den Nachfolger von To the Moon. Dass es einen dritten Teil gibt, ist mir erst spät aufgefallen, und dann lag er noch eine ganze Weile in der Bibliothek, bevor ich ihn angefangen habe. Nachgeholt, und es hat sich gelohnt.

Ein Wort vorweg: Ich halte diesen Text bewusst frei von Details zur Handlung. Bei diesem Spiel ist das keine Höflichkeit, sondern Voraussetzung. Wer vorher zu viel weiß, dem nimmt es genau das, was es besonders macht.

Nicht das, was man erwartet

Die ersten beiden Teile hatten eine klare Ausgangslage: Zwei Ärzte einer Firma namens Sigmund Corp setzen Sterbenden künstliche Erinnerungen ein, damit sie mit einem erfüllten Leben gehen können. Man arbeitet sich rückwärts durch das Leben eines Menschen, bis man den Punkt findet, an dem die Weiche anders hätte stehen müssen.

Impostor Factory beginnt woanders. Man ist auf einer Feier in einem abgelegenen Anwesen, es gibt Gäste, es gibt einen Todesfall, und es fühlt sich lange eher nach einem Krimi an als nach der Reihe, die man kennt. Ich war die erste Stunde ehrlich irritiert und habe mich gefragt, ob ich das falsche Spiel gestartet habe.

Das ist Absicht, und mehr sage ich dazu nicht.

Spielerisch weiterhin fast nichts

Wer die Vorgänger kennt, weiß, was ihn erwartet: laufen, mit Dingen und Leuten reden, gelegentlich ein kleines Rätsel. Wer sie nicht kennt, sollte wissen, dass das hier kein Spiel im üblichen Sinn ist. Es gibt nichts zu optimieren, man kann nicht verlieren, und die Zeit vergeht in Textboxen.

Wie schon damals bei Finding Paradise finde ich das richtig. Die Mechanik soll nicht im Weg stehen. Der einzige Punkt, an dem mich das gestört hat, sind ein paar Passagen im Mittelteil, in denen man Räume abläuft, ohne dass viel passiert. Das hätte gestrafft gehört.

Die Musik ist wieder von Kan Gao selbst und trägt große Teile der Wirkung. Bei den Vorgängern hatte ich den Soundtrack danach wochenlang laufen, hier ist es genauso gekommen.

Als dritter Teil

Die Frage, die man sich bei einer Fortsetzung stellt: Muss man die anderen kennen?

Ich würde sagen ja, obwohl das Spiel formal für sich steht. Es funktioniert auch ohne Vorwissen, aber die Wirkung entsteht zu einem guten Teil aus dem, was man aus den ersten beiden mitbringt. Umgekehrt fand ich es als Abschluss stärker als Finding Paradise, das mir seinerzeit ein bisschen zu sehr am Erfolgsrezept des ersten Teils entlanggelaufen war. Hier hat sich jemand getraut, die Form zu ändern.

Wer To the Moon mochte und Finding Paradise solide fand, sollte den dritten Teil nicht auslassen. Wer bei keinem der beiden etwas empfunden hat, wird auch hier nicht anfangen.

Gebraucht habe ich etwa fünf Stunden am Stück. Am Stück ist dabei die richtige Dosierung, in Etappen zerfällt so etwas.